Generationengespräch: Bildung schafft Lebenschancen


Gut besucht war die jüngste Veranstaltung im Rahmen der „Pulheimer Generationengespräche“ am 27. Oktober 2018 im Kultur- und Medienzentrum. Die Senioren Union hatte gemeinsam mit der Jungen Union zu einem der zentralen Themen unserer Zeit eingeladen: „Bildung schafft Lebenschancen“. Siegbert Renner, Vorsitzender der Senioren Union, wies in seiner Begrüßungsansprache darauf hin, dass Lernen eine lebenslange Herausforderung sei und dass es darauf ankomme, für jedes Alter Lernangebote von hoher Qualität bereitzustellen. Drei Bildungs-Experten erläuterten anschließend, worauf es aus ihrer Sicht bei einem hochwertigen Bildungsangebot ankommt.

Den Anfang machte Rüdiger Scholz MdL, Mitglied im Schul- und Bildungsausschuss des Landtages, mit einem Überblick über die bildungspolitischen Akzente der Landesregierung. Zum seit Jahren strittigen Thema G8/G9 verwies Scholz auf die Leitentscheidung zu G9, nach der ab dem Schuljahr 2019/2020 das Abitur grundsätzlich wieder nach 9 Jahren erreicht werden soll.

ScholzZum Ziel der Inklusion stehe die Landesregierung uneingeschränkt, werde jedoch die entsprechenden Angebote künftig an strenge Qualitätsstandards knüpfen. Insgesamt 6000 zusätzliche Stellen sollten bis zum Endausbau der Inklusion im Schuljahr 2024/2025 bereitgestellt werden. Ein großes Problem sei der Mangel an Lehrkräften. Kurzfristige Lösungen seien schwierig, da die Ausbildung von neuen Lehrkräften rund sechs Jahre in Anspruch nehme. Die Landesregierung habe jedoch bereits reagiert und die Zahl der Bachelor-Studienplätze für das Lehramt an Grundschulen für 2018/2019 um 18 % erhöht. Schließlich berichtete der Landespolitiker über die geplante Einrichtung von 60 Talentschulen in Stadteilen mit besonderen Herausforderungen und über die Stärkung der offenen Ganztagsschulen, für die der Haushalt 2018 insgesamt 8.000 zusätzliche Ganztagsplätze vorsehe.

„Der Lehrerberuf: Schlüssel für Bildungsqualität“ – zu diesem Thema referierte Peter Heesen, ehemaliger Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes und des Deutschen Beamtenbundes. Heesen betonte, die Rolle der Lehrkräfte bei der Entwicklung junger Menschen sei – bei Heesenallen anderen Einflüssen, denen sie unterliegen – fundamental. Um so wichtiger sei eine erstklassige Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer.  Dazu sei eine umfassende Qualifizierung in drei Bereichen notwendig: Pädagogik, fachliche Kompetenz und didaktische Innovation. Gerade im Bereich der Didaktik – der Vermittlung von Inhalten – gebe es jedoch erhebliche Defizite beim Ausbildungs-Angebot. Ein zweiter Punkt, den Heesen unterstrich: Ausbildung braucht Fortbildung. Angesichts der sinkenden Halbwertszeit des Wissens sei stetige Fortbildung unverzichtbar, komme jedoch in der Praxis angesichts des Lehrermangels häufig zu kurz. Drittens brauche der Lehrerberuf Anerkennung. Ein wichtiger Ansatzpunkt hierfür sei es, Aufstiegs-Perspektiven gerade für die Lehrkräfte des gehobenen Dienstes zu schaffen. Schließlich hob Heesen die Schlüsselrolle der Lehrkräfte bei der Vermittlung von grundlegenden Werten hervor. Heesen: „Bei Werten gibt es keine Neutralität. Gemeinsame Werte-Auffassungen tragen unsere Gesellschaft!“

Dr. Stefan Mittelstedt, Direktor der Volkshochschule (VHS) Rhein-Erft, sprach abschließend über „Bildungschancen für Erwachsene unter dem Gesichtspunkt der MittelsIntegration, der digitalen Herausforderung und der Alphabetisierung“. Mittelstedt verwies auf das umfassende Angebot der VHS, das sich an junge Erwachsene, die einen Schulabschluss nachholen wollen, ebenso richte wie an Berufstätige, die ihre Qualifikation erweitern möchten und an Menschen aller Altersgruppen, die etwa eine Fremdsprache erlernen wollen. In den letzten Jahren sei dabei die Weiterbildung als soziale Aufgabe mehr und mehr in den Vordergrund gerückt. Dies betreffe zum einen Deutschkurse ebenso wie Integrationskurse. Seit 2005 hätten 2.280 Personen an Integrationskursen der Volkshochschule Rhein-Erft teilgenommen, während der Anteil der Deutschkurse am VHS-Angebot in diesem Zeitraum von 13 % auf 57 % gestiegen sei. Zum anderen widme sich die Volkshochschule verstärkt dem Thema „Analphabetismus“, das weiter verbreitet sei als allgemein vermutet: So seien etwa 4 % der Bevölkerung Analphabeten im engeren Sinne (können einfache Sätze weder lesen noch schreiben) und weitere 14 % so genannte funktionale Analphabeten (können Texte wie Verträge oder Formulare nicht verstehen).

In der abschließenden Diskussionsrunde unter der Leitung von Markus Lingen standen vor allem der Stellenwert des dualen Ausbildungssystems, die Schwächen des Bildungsföderalismus und die Kritik an vergleichenden Bildungsstudien der UNESCO im Mittelpunkt des Meinungsaustauschs.