"Weiterentwicklung der Hauptschule"
Montag, den 24. Oktober 2011 um 00:00 Uhr
"Deutschland braucht einen weiter entwickelten Föderalismus, der eine Vergleichbarkeit bei der schulischen Bildung ermöglicht" Bundesbildungsministerin Annette Schavan spricht mit dem Cicero über den Antrag "Bildungsrepublik Deutschland" und die Zukunft der Hauptschule: "Es gibt drei wichtige Veränderungen, die eine Weiterentwicklung erforderlich machen." Erstens sei dies die demografische Entwicklung, zweitens der immer geringere Wunsch der Eltern nach einem Platz in der Hauptschule für ihre Kinder und drittens gebe es immer mehr Berufsbilder, die Anforderungen stellen, die einen mittleren Abschluss verlangen. Schavan: "Mein Wunsch ist es, dass wir in Deutschland einen Konsens in diesen Organisationsfragen schaffen, damit wir uns endlich über das eigentlich Interessante unterhalten können: über die Frage von Inhalten und Zielen von Bildung, über Lernkultur."
Das Interview im Wortlaut:
Cicero: Frau Ministerin, haben Sie einen Überblick darüber, wie viele Schulformen es in Deutschland derzeit gibt?
Annette Schavan: Auch ich kann keine genaue Zahl nennen, weil nahezu monatlich ein neuer Antrag gestellt wird. Manche sagen, dass es hierzulande bis zu 96 Schultypen gibt. Eines jedenfalls steht fest: Es sind zu viele.
Cicero: Sie werben derzeit auf Regionalkonferenzen für einen CDU-Antrag namens "Bildungsrepublik Deutschland", der im November beschlossen werden soll. In diesem Zusammenhang wird fast nur über einen Punkt geredet, nämlich die Abschaffung der Hauptschulen. Insbesondere Bayern und Hessen kündigen Widerstand dagegen an. Sehen Sie eine Chance auf Einigung?
Schavan: Ja. Bis zum Parteitag werden wir auf Bildungskonferenzen in allen Teilen des Landes nahezu fünf Monate leidenschaftlich diskutiert haben. Das war eine überfällige Diskussion. Die Vehemenz, mit der über einen einzigen Punkt - nämlich die Hauptschulen - gestritten wird, ist der beste Beweis dafür, dass es wichtig war, in diesen Strukturfragen auf die Höhe der Zeit zu kommen. Mein Wunsch ist es, dass wir in Deutschland einen Konsens in diesen Organisationsfragen schaffen, damit wir uns endlich über das eigentlich Interessante unterhalten können: über die Frage von Inhalten und Zielen von Bildung, über Lernkultur.
Cicero: Was werfen Sie den Hauptschulen vor?
Schavan: Gar nichts.
Cicero: Warum sollen sie dann abgeschafft werden?
Schavan: Es gibt drei wichtige Veränderungen, die eine Weiterentwicklung erforderlich machen. Erstens die demografische Entwicklung: In neun Jahren wird es in Deutschland rund 20 Prozent weniger Schüler geben; der Rückgang konzentriert sich auf den Westen und Süden Deutschlands, wo mit einem Rückgang der Schülerzahlen von bis zu 30 Prozent gerechnet werden muss. Zum Zweiten wünschen sich nur noch 2 Prozent der Eltern in Deutschland für ihre Kinder einen Platz in der Hauptschule. Drittens: Immer mehr Berufsbilder stellen Anforderungen, die einen mittleren Abschluss verlangen. Als Kultusministerin in Baden-Württemberg habe ich mich zehn Jahre lang für die Hauptschule starkgemacht und viel investiert. Das war alles nicht umsonst, daraus sind leistungsfähige Standorte entstanden. Aber jetzt muss ich die Frage stellen, ob das auch noch in Zukunft gelten wird. Letztes Argument: In den allermeisten Regionen Deutschlands ist die neue Verbindung verschiedener Schulen in der Sekundarstufe 1 längst Realität.
Cicero: Was haben die Schüler davon, wenn sie anstatt in eine Hauptschule künftig in eine Oberschule gehen?
Schavan: Zum Beispiel, dass sie im ländlichen Raum überhaupt eine Schule in erreichbarer Nähe finden. Mir ist es aber auch wichtig, dass den Schülern auch nach der vierten Klasse Optionen offengehalten werden.
Cicero: Dass also die Schüler an einer Oberschule einfacher vom Hauptschulzweig auf den Realschulzweig wechseln können?
Schavan: Genau. Durch die Verbindung der beiden Schultypen besteht für einen Schüler die Möglichkeit, entweder den Hauptschulabschluss zu machen, um dann in die berufliche Bildung zu gehen, oder aber einen mittleren Abschluss. Die Durchlässigkeit nach oben wird damit verbessert - und die unterschiedlichen Schülergruppen können einander besser motivieren.
Cicero: Es könnte aber auch einen Sog nach unten geben, indem Realschüler von Hauptschülern demotiviert werden, wenn beide Gruppen an der gleichen Schule lernen.
Schavan: Ich erkenne in solchen Argumenten die Versuchung, das Bildungssystem als ein Klassensystem zu begreifen. Das war es nie, und das darf es auch nicht sein. Die meisten Studien deuten darauf hin, dass jede Lerngruppe Spitzen braucht. Wo nur die Schwachen zusammen sind, entsteht eine Atmosphäre der Hoffnungslosigkeit. Natürlich stellen manche Leute zu Recht die Frage: Wenn an einer Schule in einem sogenannten sozialen Brennpunkt die Mischung nicht stimmt, was nutzt denen ein neuer Schulname? Für solche Schulen braucht es in der Tat ein ganz anderes Konzept. Nämlich das Konzept der Magnetschule, die besonders gefördert wird und so gut ausgestattet ist, dass sie auch für Kinder aus bürgerlichen, Kreisen attraktiv ist.
Cicero: Aber wenn es auf mehr Durchlässigkeit ankommt, könnte man doch gleich alle drei Schulformen unter einem Dach versammeln, also neben dem Haupt- und dem Realschulzweig auch das Gymnasium?
Schavan: Nein. Denn das Gymnasium basiert nicht auf einer pragmatischen Entscheidung im Schulsystem, sondern verkörpert eine eigenständige, erfolgreiche lange Bildungstradition. Und da sollte es zu unserem Selbstbewusstsein gehören, den Wert dieser Tradition auch ins 21. Jahrhundert zu tragen. Damit ist ein klares Signal gesetzt, welches Bildungsverständnis wir in Deutschland haben.
Cicero: Ein elitäres Bildungsverständnis?
Schavan: Nein, ein ganzheitliches. Eines, das mit der Idee der Freiheit zu tun hat. Vielfalt von Begabungen bedeutet Vielfalt pädagogischer Wege - also das Gegenteil von Einheitsschule. Davon abgesehen findet sich an Einheitsschulen viel pädagogische Einfallslosigkeit, und sie sind in Deutschland nicht wirklich akzeptiert. Alle Schulformen, das Gymnasium ebenso wie die Oberschule, müssen in sich differenzierte pädagogische Räume sein.
Cicero: Schmerzt es Sie nicht, dass Sie mit Ihrer Expertise aus der Landesschulpolitik als Bundesbildungsministerin praktisch kaum über echte Macht verfügen? Fassen Sie sich manchmal an den Kopf, wenn Sie daran denken, wie zersplittert die Bildungslandschaft hier ist und wie wenig Manövrierraum der Bund in Wirklichkeit hat?
Schavan: Ja, ich fasse mir manchmal an den Kopf. Gerade auch, weil ich als selbstbewusste Kultusministerin in Baden-Württemberg den Föderalismus nie als Kleinstaaterei verstanden habe und deshalb schon damals in der Kultusministerkonferenz den Antrag auf bundesweite Bildungsstandards gestellt habe. Föderalismus kann ja nicht heißen, dass jeder macht, was er will, sondern dass Vergleichbarkeit ermöglicht wird. Es müssen Lehrer von einem Land in ein anderes wechseln können. Dasselbe gilt natürlich für Schülerinnen und Schüler, von denen 80 000 pro Jahr das Bundesland wechseln und sich mit einer völlig neuen Situation zurechtfinden müssen. Kurzum: Deutschland braucht eines der besten Bildungssysteme der Welt. Deutschland braucht deswegen einen weiter entwickelten Föderalismus, der eine Vergleichbarkeit bei der schulischen Bildung ermöglicht.
Cicero: Der niedersächsische Ministerpräsident David McAllister spricht sich sogar für ein deutschlandweit einheitliches Abitur aus.
Schavan: Ja, da hat er völlig recht. Das gilt für das Abitur, das gilt aber auch für den mittleren Abschluss. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit. Es darf nicht darauf ankommen, ob ich den Abschluss in Potsdam, in Stuttgart oder in Hamburg mache.
Cicero: Ist das politisch überhaupt durchsetzbar? So etwas würde doch spätestens im Bundesrat am Widerstand von Ländern wie Bayern oder Baden-Württemberg scheitern.
Schavan: Nein, das glaube ich nicht. Die überwältigende Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger findet das wichtig, und gerade die Eltern haben da eine ganz klare Position. Es muss Veränderung geben. Sonst geraten wir mit dem Föderalismus vollends in die Sackgasse.
Cicero: Wann könnte es frühestens ein "Deutschland-Abitur" geben?
Schavan: Das ist schwer abzuschätzen. Wenn die Länder jetzt entschlossen zu Werke gehen, könnte das in schon drei Jahren der Fall sein.
Cicero: Seit der Föderalismusreform 2006 ist es dem Bund untersagt, sich in die Schul- und Hochschulangelegenheiten der Länder finanziell einzumischen. MUSS dieses sogenannte Kooperationsverbot nicht dringend revidiert werden?
Schavan: Es gibt ja jetzt bereits Vorschläge von den Ländern, die Kooperation im Wissenschaftsbereich noch weiter zu verbessern. Ich glaube, dass das schon in absehbarer Zeit möglich sein wird, denn nach der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an den Hochschulen wird die Frage auftauchen, wie es denn an diesen Universitäten weitergehen soll. Da brauchen wir neue Formate, brauchen wir das Zusammenspiel von außeruniversitären und universitären Einrichtungen, um wirklich weltweit Spitze zu werden. Bei den Schulen ist das entscheidende Stichwort Vergleichbarkeit. Ich bin aber auch davon überzeugt, dass bei der Weiterentwicklung unseres Schulsystems der Bund die Länder nicht aus der Verantwortung entlassen sollte.
Cicero: Seit fast einem halben Jahrhundert diskutieren wir über unser Schulsystem und über eine drohende Bildungskatastrophe. Trotzdem bewegt sich in der Sache wenig bis nichts nach vorne. Daran kann doch nicht nur der Föderalismus schuld sein?
Schavan: Meine Position zur Qualität unseres Bildungssystems ist differenzierter: Warum hat Deutschland eine der niedrigsten Raten bei der Jugendarbeitslosigkeit? Weil wir berufliche Bildung haben. Überall in der Welt werden wir darum beneidet. Das ist eine starke Seite des Bildungssystems. Warum sind wir so ein innovationsstarkes Land? Vielleicht, weil die Bildungsidee des Gymnasiums nicht frühzeitige Spezialisierung bedeutet, sondern einen tragfähigen Kanon der Allgemeinbildung. Deshalb lautet meine tiefe Überzeugung: Wir müssen aufkören, uns selber schlechtzureden. Natürlich gibt es auch in Deutschland Mittelmäßigkeit - wie überall, wo die Begeisterung für Bildung verloren geht; wo die Einsicht verloren geht, dass Bildung eine persönliche Grundhaltung erfordert und nicht in erster Linie eine staatliche Dienstleistung darstellt.
Cicero: Schon sind wir bei den Familien.
Schavan: Meine Großmutter hat mit 14 Jahren die Schule verlassen - und war trotzdem eine Frau, die unglaublich viel wusste, weil sie sich jede Woche Bücher in der Pfarrbücherei ausgeliehen hat. Diese Frau hatte nie die Chance zu einer großen Bildungsbiografie, besaß aber trotzdem den Ehrgeiz, sich Wissen anzueignen. Ich will nicht nostalgisch werden, sondern nur deutlich machen, dass es bei Bildung auch auf den eigenen Willen ankommt. Heute finden Sie niemanden, der mit 14 von der Schule abgeht, aber dafür umso mehr, die trotz regelmäßigen Schulbesuchs kaum lesen können. Ja, auch dieses Phänomen gibt es leider. Das ist aber kein spezifisch deutsches Problem, sondern existiert in fast allen westeuropäischen Wohlstandsgesellschaften. Vielleicht spielt da auch manchmal der Glaube eine Rolle, dass unser Wohlstand auch ohne den Faktor Bildung einigermaßen gesichert sei. Wir reden heutzutage so viel über Bildung wie nie zuvor. Das ändert aber nichts daran, dass für die Grundfrage, ob und wie viel Bildung ich mir aneignen will, eine eigene Entscheidung notwendig ist. Es muss eine Generation von Erwachsenen da sein, die ihre Kinder dazu ermutigt, sich Wissen anzueignen. Anstatt immer wieder tausend Ausreden dafür zu finden, warum das jetzt aber gerade schwierig ist.
Cicero: Der Soziologe Heinz Bude vertritt ja genau die Meinung, dass wir in Deutschland an einer Überpolitisierung des Bildungsthemas leiden - "mit dem Effekt, dass in den Bereichen, wo es wehtut, nichts passiert, weil nämlich den 20 Prozent eines Jahrgangs, die als Bildungsverlierer behandelt werden, mit einer Änderung des Bildungssystems wenig geholfen" sei. Reden wir tatsächlich zu viel über Struktur und zu wenig über konkrete Probleme?
Schavan: Eindeutig. Aber Bude würde ja auf der anderen Seite nie behaupten, dass es nicht auch eine Verantwortung der Politik für die Leistungsfähigkeit eines Bildungssystems gibt. Ich werbe ja gerade dafür, dass wir diese Verantwortung eben nicht auf eine technokratische Weise wahrnehmen, sondern einfach mal ein paar Fragen aus dem Weg räumen und sagen: Da einigen wir uns jetzt darauf, dass es so gemacht wird. Und danach beschäftigen wir uns mit der Frage: Was und wie lernen denn die Kinder? Dann komme ich zu der Frage, warum die so viel Gelerntes wieder vergessen. Und dann zu den Fragen, warum jemand, der schon lesen konnte, es ein paar Jahre später nicht mehr kann; warum wir in fast allen europäischen Ländern einen so hohen Anteil an funktionalen Analphabeten haben.
Cicero: Wie lautet denn Ihre Erklärung für den Analphabetismus?
Schavan: Einer der Gründe ist sicher die Frage der Wertschätzung von Schrift und Sprache. Dass ein handgeschriebener Brief mittlerweile als romantische Veranstaltung gilt, ist ein Hinweis auf vordergründige und fast schon banale Optimierungsstrategien, die aber in Wirklichkeit die Weiterentwicklung von Sprache, die Weiterentwicklung von Textverständnis brachliegen lassen. Damit geht ein Stück Freiheit verloren. Ich wünsche mir deshalb weit über unseren CDU-Leitantrag hinaus, dass wir als Nächstes parteiübergreifend eine Diskussion über das Inspirierende an Bildung führen.
Cicero: In Ihrem Antrag geht es auch um den Zusammenhang zwischen Bildung und Herkunft. Wörtlich heißt es: "Soziale Herkunft ist in Deutschland nach wie vor entscheidend für den schulischen Bildungserfolg." Gibt es einen Königsweg, um diesen Zusammenhang zu überwinden?
Schavan: Nein, aber es gibt viele Trampelpfade. In meiner Generation gab es ganz viele, die aus ihren Familien als Erste das Gymnasium besuchten und studierten. Ich gehöre auch dazu. Mein Vater war ein angestellter Kaufmann, und meine Mutter war Hausfrau, beide hatten kein Abitur. Die Eltern haben uns Kinder aber dazu ermutigt, die Chancen der Schule wahrzunehmen. Trotzdem haben meine Eltern niemals das Wort "Aufstieg" benutzt, sondern sie fanden das ganz selbstverständlich. Da stellt sich doch die Frage, warum uns diese Selbstverständlichkeit abhandengekommen ist, obwohl damals vom Staat viel weniger in Schulen investiert wurde als heute. Die Lehre daraus ist doch: Erwartet nicht, dass allein die Institutionen alles richten. Wir brauchen einen Bewusstseinswandel, der dazu führt, dass die Menschen - und zwar unabhängig von ihrem materiellen Status - erkennen, wie wichtig und bereichernd Bildung für sie selbst und für ihre Kinder ist.
Cicero: Vor kurzem wurden in einer Studie die Gründe für das Schulversagen bei Migrantenkindern untersucht. Als einer der wichtigsten Punkte wurde das Fehlen frühkindlicher Bildung genannt. Gibt es Ansatzpunkte, um das zu ändern?
Schavan: Eindeutig ja. In Deutschland ist zu lange diskutiert worden, ob Familie oder Staat für frühkindliche Bildung zuständig sein sollen. Dabei geht es hier nicht um ein "Entweder-Oder". Sondern um die Frage, wie der Staat den Eltern ergänzend gute Fördermöglichkeiten bereitstellen kann. Es geht auch um mehr Verbindlichkeit; deshalb treten wir für ein verpflichtendes Vorschuljahr ein. Es reicht nicht aus, darauf zu verweisen, dass 96 Prozent der Kinder einen Kindergarten besuchen, denn manche besuchen ihn eben nur sporadisch. Kinder haben schon vor ihrer Einschulung ein enormes Potenzial, einen riesigen Spaß am Experimentieren. Und das ist auch der Schlüssel für Kinder aus Migrantenfamilien, um eine andere Atmosphäre zu erleben, um gefördert zu werden, um die Sprache zu lernen und Begeisterung für Natur, Musik und Kultur zu entwickeln.
Cicero: Sie treten für Islamunterricht an Schulen ein, obwohl Sie als Kultusministerin in Baden-Württemberg ein Kopftuchverbot für muslimische Lehrerinnen verteidigt haben. Wie passt das zusammen?
Schavan: Ich bin für islamischen Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen, weil ich nicht möchte, dass muslimische Kinder ihre religiöse Bildung in Hinterhöfen erfahren. Wenn der Satz stimmt, dass der Islam zu unserer Gesellschaft gehört, dann können wir den vier Millionen Muslimen doch nicht sagen: Am besten integriert ihr euch in Deutschland, wenn ihr mit eurer eigenen Religion nichts mehr zu tun haben wollt. Mir ist völlig klar: Wer an Schulen Islamunterricht einführen will, stößt auf tausend Probleme - wer ist der Ansprechpartner, mit wem kann ich eine Vereinbarung treffen, wer macht die Inhalte? Aber zu meinem Grundverständnis von ganzheitlicher Bildung gehört auch religiöse Bildung. Kant hat einmal die vier Grundfragen einer jeden Generation formuliert: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch? Die Frage nach dem Hoffen ist letztlich die Frage nach der Religion, und deshalb bin ich da innerlich engagiert.
Cicero: Könnten Sie sich eine weibliche Islamlehrerin vorstellen?
Schavan: Ja, klar.
Cicero: Darf die im Unterricht ein Kopftuch tragen?
Schavan: Ich kenne solche, die dennoch kein Kopftuch tragen. .
Das Gespräch führten Alexander Marguier und Michael Naumann. In Cicero, 01.11.2011.