Vortragsveranstaltungen

Foto: CDU Pulheim

Fachtagung zur Flüchtlingsfrage: Engagement statt Angst!


„Flüchtlinge, Asyl und Einwanderung“: So lautete das Thema einer Fachtagung, zu der die Senioren Union und die Junge Union Pulheim für den 17. Oktober 2015 ins Kultur- und Medienzentrum eingeladen hatten. In einem Punkt waren sich alle Akteure einig: Die aktuelle Flüchtlingskrise ist eine „große Herausforderung, wie es sie in unserer jüngeren Geschichte nur selten gab“, so Bundestagsabgeordneter Dr. Georg Kippels.

Wie groß die Herausforderung für die Stadt Pulheim ist, erläuterte CDU-Fraktionsvorsitzender Werner Theisen: Zum Stichtag 8. Oktober 2015 waren insgesamt 515 Flüchtlinge in 14 Unterkünften der Stadt untergebracht.

Hinzu kommen ca. 100 Personen in der Dreifachturnhalle Brauweiler, die im Zuge der Amtshilfe als Landeseinrichtung betrieben wird. Unter den Herkunftsländern liegt Syrien mit ca. 100 Personen an erster Stelle, gefolgt von Albanien (69), dem Irak und dem Kosovo (jeweils 44). Zur Unterbringung weiterer Flüchtlinge wird die Stadt mehr als 2 Millionen Euro aufwenden – den Löwenanteil davon für eine neue Unterkunft mit bis zu 200 Plätzen auf dem Platz am Pulheimer Sportzentrum. In seinem Resümee zeigte sich Theisen jedoch – bei allen Schwierigkeiten – optimistisch: „Es kommt noch viel Arbeit und Mühe auf uns zu, aber gemeinsam können wir es wuppen.“

Gespannt verfolgte das Auditorium die DiskussionWie aber kann es gelingen, die Probleme des Zusammenlebens zu „wuppen“? Eine wichtige Voraussetzung ist ein gutes Miteinander von Christen und Muslimen in der Kommune. Zu diesem Thema gab es ein eigenes Podium, das mit dem evangelischen Pfarrer Johannes Böttcher, dem Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Markus Lingen von St. Kosmas und Damian, Canan Kalac vom Netzwerk Bildung und Religion sowie Mehmet Marvus und Rasim Karaduman vom Pulheimer Moscheeverein besetzt war. Die Moderation übernahm CDU-Kreisgeschäftsführer Achim Hermes. Übereinstimmend lobten die Diskussionsteilnehmer Pulheim als „Oase“ des guten Zusammenlebens der Religionen. Böttcher sprach von einer „Kultur des persönlichen Kennenlernens, des aufeinander Zugehens und des Anerkennens von Unterschieden“, während Lingen es als eine Kernaufgabe des interreligiösen Dialogs bezeichnete, „ein verbindendes Ethos zu fördern, das schwierige Konflikte mindestens mindert oder sogar lösen hilft und Solidarität unter den Menschen schafft“. „Ich bin stolz auf das Zusammenwirken von Moscheeverein, Stadtverwaltung und katholischer wie evangelischer Kirche“ hob Canan Kalac, die auch Religionslehrerin an der Internationalen Friedensschule in Köln ist, hervor. Marvus und Karaduman berichteten zudem über verschiedene Hilfestellungen des Moscheevereins für Flüchtlinge. Darüber hinaus wurde in der Diskussion die Arbeit des Pulheimer Flüchtlingsnetzes gelobt, in dem sich zahlreiche Vereine, Einrichtungen und Einzelpersonen engagieren.

Dr. Kippels, Voss, Dr. WormsWas gilt es auf bundespolitischer und europäischer Ebene zu tun? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Ausführungen von Dr. Georg Kippels MdB und Axel Voss, Mitglied des Europäischen Parlaments.

Kippels erläuterte ausführlich das „Asylverfahrensbeschleunigungsgesetz“, dem der Bundesrat erst am Tag zuvor zugestimmt hatte. Zentrale Punkte sind u.a.: schnellere Asylverfahren, weniger Fehlanreize, mehr Unterstützung für Länder und Kommunen, rasche Integration in den Arbeitsmarkt. Kippels betonte dabei die Verantwortung der Länder, die Bundesmittel tatsächlich an die Kommunen weiterzuleiten. Die Zukunft sah der Abgeordnete bei allen Schwierigkeiten optimistisch: „Wenn wir weiterhin pragmatisch, mit gesundem Menschenverstand und Engagement handeln, werden wir diese nationale Bewährungsprobe bestehen.“

Voss beschäftigte sich mit der Frage, wie die Asyl- und Einwanderungsproblematik die politische Landschaft in Deutschland und Europa verändert. Dabei sprach er die Sicherung der EU-Außengrenzen im Rahmen des Schengen-Abkommens ebenso an, wie die Schwierigkeiten der Europäischen Union, in der Flüchtlingsfrage mit einer Stimme zu sprechen. Auch auf den Aufschwung nationalistischer Parteien in verschiedenen EU-Ländern im Zuge der Flüchtlingskrise ging er ein. Für die anstehenden Verhandlungen mit der Türkei empfahl er eine klare Linie: „Die europäischen Werte sind nicht verhandelbar.“

Als Fazit der Diskussionen fassten Siegbert Renner, Vorsitzender der Senioren Union, und Staatssekretär a.D. Dr. Bernhard Worms zusammen: „Von der heutigen Veranstaltung ging ein eindeutiges Signal aus: Wir brauchen einen kühlen Kopf, klare politische Konzepte und eine von Herzen kommende Zuwendung, die auf dem Respekt vor der Würde jedes einzelnen Menschen beruht. Mit Engagement statt Angst können wir eine gute Antwort auf die Flüchtlingsfrage geben, sowohl in unserer Stadt wie auch unserem Land.“