Vortragsveranstaltungen

Fachtagung in der „sichersten Stadt des Rhein-Erft-Kreises“


„Sicherheit in Pulheim im Frühjahr 2016“ – so lautete das Thema einer Fachtagung, zu der die Senioren Union und die Junge Union für den 19. März 2016 in das Pulheimer Schützenhaus eingeladen hatten. Zahlreiche Interessenten  folgten der Einladung und informierten sich aus erster Hand über die Sicherheitslage in Land, Kreis und Stadt. Dabei schnitt vor allem die Stadt gut ab.

Ja, sie fühlten sich eigentlich sicher in Pulheim, erklärten Bürgerinnen und Bürger in einem Video, das zu Beginn der Fachtagung eingespielt wurde. Doch ließen sie ebenso erkennen, dass die Kölner Ausschreitungen in der Silvesternacht tiefe Spuren bei ihnen hinterlassen haben.

Siegbert Renner, Vorsitzender der Senioren Union des Rhein-Erft-Kreises und einer der Organisatoren der Veranstaltung, betonte in seiner Begrüßung, man wolle die tatsächliche Sicherheitslage in Land, Kreis und Stadt anhand von Fakten und Zahlen darlegen und zugleich die Sorgen und Anregungen der Teilnehmer aufnehmen.

160319 2 PlenumLutz Lienenkämper,  Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag, sparte in seinen Ausführungen nicht mit Kritik an der Landesregierung: So habe es im Jahre 2015 1,5 Millionen Straftaten in NRW gegeben – mehr als in Bayern und Baden-Württemberg zusammen. Das Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, sei zwischen Rhein und Weser 1,5 mal höher als in Baden-Württemberg und 1,7 mal höher als in Bayern. Zugleich sei NRW mit einer Aufklärungsquote von 49,8 % das Schlusslicht unter den Flächenländern. Die Zahl der Wohnungseinbrüche – 2014 waren es rund 53.000 – habe ganz besonders im ländlichen Raum massiv zugenommen. Und dies wiederum habe einen starken Einfluss auf das Sicherheitsempfinden der Menschen – ebenso wie das Bestehen von „No-go-Areas“, also weitgehend rechtsfreien Räumen, in einzelnen Stadtvierteln etwa von Duisburg oder Gelsenkirchen. Die Lösung sah Lienenkämper nicht nur in mehr und besser ausgebildetem Personal, insbesondere bei der Kriminalpolizei. Vielmehr forderte er die Landesregierung auf, sich sehr viel stärker als bisher hinter die Arbeit der Polizei zu stellen und unmissverständlich deutlich zu machen, dass die Polizistinnen und Polizisten von jedermann Respekt verdienten. Es dürfe nicht hingenommen werden, dass 2014 über 7900 Polizeibeamte Opfer eines tätlichen Angriffs wurden.

Roland Küpper, Leitender Polizeidirektor im Rhein-Erft-Kreis, konnte in seinem Vortrag auf einige positive Entwicklungen im Kreis und in Pulheim verweisen. So sei die Zahl der Straftaten rückläufig, und die Kriminalität insgesamt liege deutlich unter dem Landesdurchschnitt. In Pulheim wiederum sei die Wahrscheinlichkeit, dass ein Bürger Opfer einer Straftat wird, kreisweit am geringsten. Hinzu komme eine hohe Aufklärungsquote bei Gewaltkriminalität: Sie liege bei 76,8 %. Ungetrübt sei die Bilanz allerdings nicht: Hier verwies Küpper auf die Zunahme der Wohnungseinbrüche, die im Jahr derzeit bei durchschnittlich 180 im Pulheimer Stadtgebiet liege. Die Aufklärungsquote betrage in diesem Bereich 20 bis 25 % - vor allem bedingt dadurch, dass es sich meist um „reisende“ Täter handelt, die die hervorragende Infrastruktur des Kreises für eine schnelle An- und Abreise nutzen. Immerhin schlagen rund 44 % der Einbruchsversuche fehl – durch technische Hemmnisse oder aufmerksame Nachbarn. Als bedenklich bezeichnete Küpper auch die hohe Zahl der Verkehrsunfälle im Kreisgebiet (fast 13.000) und die Tatsache, dass jeder 10. Verursacher Unfallflucht begeht. Wie sein Vorredner beklagte auch Küpper, dass der Respekt gegenüber den Mitarbeitern der Polizei weitgehend verloren gegangen sei. Erschwerend komme hinzu, dass die Polizei-Neueinstellungen in NRW vorzugsweise so genannten „Brennpunktbereichen“ – zumeist in Großstädten – 160319 3 Plenumzugute kämen, während in den ländlichen Kreisen eine Erosion des Personalbestands zu verzeichnen sei.

Frank Keppeler, Bürgermeister der Stadt Pulheim, erläuterte schließlich den aktuellen Stand der Unterbringung von Flüchtlingen im Stadtgebiet. Dabei stellte er fest, dass die Aufnahme von Flüchtlingen zu keiner Verschlechterung der Sicherheitssituation in Pulheim geführt habe. Über die Meldung, dass Pulheim – gemessen am Verhältnis der Einwohnerzahl zu den Straftaten – die sicherste Stadt im Rhein-Erft-Kreis sei, habe er sich sehr gefreut. Damit dies auch so bleibt, kündigte Keppeler an, dass es keine Schließung der Wache in Pulheim geben werde.

In der anschließenden Diskussion unter der Leitung von Markus Lingen hatten die zahlreichen Teilnehmer ausführlich Gelegenheit, die Punkte anzusprechen, die ihnen besonders am Herzen lagen. Dabei  wurden etwa Fragen der grenzüberschreitenden Kriminalitätsbekämpfung, der Personalsituation bei der Polizei oder zur Arbeit der örtlichen Polizei diskutiert.